Ein Kunde ruft an: Er kommt nicht ins Kundenportal. Benutzername vergessen. Die E-Mail-Adresse weiß er, das Passwort auch – nur den vor drei Jahren vergebenen Benutzernamen nicht. Solche Anrufe kosten Zeit, jedes Mal. Die naheliegende Lösung: den Benutzernamen abschaffen und die E-Mail-Adresse zur Anmeldung nutzen.
Kurz gesagt: Das geht in Contao ohne Erweiterung. Zwei Hooks setzen die E-Mail automatisch als Benutzernamen, die DCA sperrt das Feld im Backend. Wichtig sind dabei die Punkte, die man leicht übersieht – Normalisierung, Eindeutigkeit und die Frage, ob das Sperren im Backend tatsächlich sicher ist. Genau darum geht es in diesem Beitrag: um die Umsetzung und um die Härtung.
Zielsetzung
In Contao sollen Mitglieder sich mit ihrer E-Mail statt einem separaten Benutzernamen anmelden. Bei Registrierung wird die E-Mail automatisch als Username gespeichert. Im Backend bleibt das Feld sichtbar, ist aber schreibgeschützt.
Keine Notwendigkeit für Erweiterungen wie
- terminal42/contao-mailusername
oder ähnliche „E-Mail statt Benutzername“-Pakete.
Die Umsetzung erfolgt Core-konform und bleibt update-sicher.
Registrierung: E-Mail automatisch als Benutzername setzen
config/services.yaml
services:
App\EventListener\RegistrationUsernameListener:
tags:
- { name: contao.hook, hook: createNewUser, method: onCreateNewUser }
- { name: contao.hook, hook: updatePersonalData, method: onUpdatePersonalData }
src/EventListener/RegistrationUsernameListener.php
<?php
namespace App\EventListener;
use Contao\Database;
use Contao\FrontendUser;
use Contao\Module;
final class RegistrationUsernameListener
{
public function onCreateNewUser(int $memberId, array $data, ?Module $module = null): void
{
if (empty($data['email'])) {
return;
}
$email = mb_strtolower(trim((string) $data['email']));
Database::getInstance()
->prepare('UPDATE tl_member SET username=? WHERE id=?')
->execute($email, $memberId);
}
public function onUpdatePersonalData(FrontendUser $member, array $data, Module $module): void
{
if (!isset($data['email']) || '' === trim((string) $data['email'])) {
return;
}
$email = mb_strtolower(trim((string) $data['email']));
Database::getInstance()
->prepare('UPDATE tl_member SET username=? WHERE id=?')
->execute($email, $member->id);
}
}
Backend: Feld sperren und absichern
contao/dca/tl_member.php
<?php
$GLOBALS['TL_DCA']['tl_member']['fields']['username']['eval']['readonly'] = true;
$GLOBALS['TL_DCA']['tl_member']['fields']['username']['eval']['tl_class'] = trim(($GLOBALS['TL_DCA']['tl_member']['fields']['username']['eval']['tl_class'] ?? '') . ' username-locked');
$GLOBALS['TL_DCA']['tl_member']['fields']['username']['save_callback'][] = [\App\EventListener\DataContainer\UsernameGuard::class, 'forceEmailAsUsername'];
$GLOBALS['TL_DCA']['tl_member']['fields']['email']['save_callback'][] = [\App\EventListener\DataContainer\UsernameGuard::class, 'syncUsernameFromEmail'];
src/EventListener/DataContainer/UsernameGuard.php
<?php
namespace App\EventListener\DataContainer;
use Contao\DataContainer;
use Contao\Database;
final class UsernameGuard
{
public function forceEmailAsUsername($value, DataContainer $dc)
{
if (!$dc->id) {
return $value;
}
$row = Database::getInstance()
->prepare('SELECT email FROM tl_member WHERE id=?')
->execute($dc->id);
$email = mb_strtolower(trim((string) $row->email));
return $email ?: $value;
}
public function syncUsernameFromEmail($value, DataContainer $dc)
{
$email = mb_strtolower(trim((string) $value));
if ($dc->id && '' !== $email) {
Database::getInstance()
->prepare('UPDATE tl_member SET username=? WHERE id=?')
->execute($email, $dc->id);
}
return $email;
}
}
Stylesheet: Backend-Styles
config/config.yml
contao:
backend:
custom_css:
- files/theme/css/backend.css
files/theme/css/backend.css
#ctrl_username[readonly],
.tl_text.username-locked[readonly] {
cursor: not-allowed;
}
Backend: Sprachtext
contao/languages/de/tl_member.php
<?php
$GLOBALS['TL_LANG']['tl_member']['username'][1] = 'Der Benutzername wird automatisch aus der E-Mail gesetzt.';
Sicherheitscheck: was diese Lösung richtig macht – und was noch fehlt
Eine Lösung, die den Benutzernamen an die E-Mail koppelt, berührt die Anmeldung – den sensibelsten Teil einer Website. Vier Punkte entscheiden über die Qualität. Zwei davon sind in der oben gezeigten Umsetzung bereits gelöst; zwei muss man selbst nachziehen.
1. Erzwingen statt nur sperren – hier bereits gelöst
Ein Feld mit 'readonly' => true zu versehen, verhindert die Eingabe im Formular. Ein manipulierter POST könnte den Wert aber trotzdem mitschicken. Genau deshalb hängt in der gezeigten Lösung zusätzlich ein save_callback am Feld: UsernameGuard::forceEmailAsUsername() liest die E-Mail des Datensatzes und gibt sie zurück – unabhängig davon, was im Formular stand. Ein zweiter Callback am E-Mail-Feld (syncUsernameFromEmail()) hält beide Werte synchron. Das ist die richtige Architektur: Die Sperre im Backend ist Komfort, der Callback ist die Sicherheit.
2. Normalisieren – hier ebenfalls gelöst
„Max.Muster@Beispiel.de" und „max.muster@beispiel.de" sind dieselbe Person, aber zwei Zeichenketten. Ohne Vereinheitlichung entstehen doppelte Konten. Die Listener verwenden durchgängig mb_strtolower(trim(...)) – bei der Registrierung, bei der Profiländerung und im Backend. Auch die Datenbankzugriffe laufen über prepare()/execute(), sind also gegen SQL-Injection abgesichert.
3. Eindeutigkeit in der Datenbank erzwingen – das gehört noch dazu
Solange die Eindeutigkeit nur im Formular geprüft wird, kann sie umgangen werden: zwei gleichzeitige Registrierungen, ein Import, ein Skript. Der Riegel gehört in die Datenbank:
-- Zuerst prüfen, ob es bereits Dubletten gibt
SELECT LOWER(email) AS mail, COUNT(*) AS anzahl
FROM tl_member
GROUP BY LOWER(email)
HAVING anzahl > 1;
-- Wenn sauber: Eindeutigkeit absichern
ALTER TABLE tl_member
ADD UNIQUE INDEX idx_member_email (email);4. Kollisionen aus dem Altbestand – der unterschätzte Fall
Kritisch wird es bei gewachsenen Mitgliederdaten: Wenn Mitglied A den alten Benutzernamen „info@firma.de" trägt und Mitglied B genau diese E-Mail-Adresse hat, existieren nach der Umstellung zwei Konten mit demselben Anmeldenamen. Vor dem Livegang lohnt deshalb ein Blick:
-- Kollisionen zwischen bestehenden Benutzernamen und E-Mail-Adressen
SELECT m1.id AS username_id, m1.username,
m2.id AS email_id, m2.email
FROM tl_member m1
JOIN tl_member m2
ON LOWER(m1.username) = LOWER(m2.email)
WHERE m1.id <> m2.id;Und zwei Dinge, die man im Kopf behalten sollte
- Die Funktion „Passwort vergessen" darf nicht verraten, ob eine Adresse registriert ist. Contao verhält sich hier korrekt und meldet immer denselben Text – wer eigene Formulare baut, sollte das beibehalten.
- Eine E-Mail-Adresse ist öffentlich bekannt und damit ein halber Anmeldename. Für Bereiche mit erhöhtem Schutzbedarf gehört die Zwei-Faktor-Authentifizierung dazu – Contao bringt sie mit.
Stand 2026: Die gezeigte Umsetzung funktioniert unverändert unter Contao 5.3 und 5.7. Die Hooks createNewUser und updatePersonalData sind weiterhin Teil des Kerns.
Fazit: E-Mail-Login ohne Erweiterung – aber mit Härtung
Der Anruf vom Anfang – „Ich komme nicht ins Portal“ – verschwindet mit dieser Umstellung aus dem Alltag: Niemand vergisst seine E-Mail-Adresse. Wenige Zeilen Code stellen Registrierung, Profiländerung und Backend-Pflege auf E-Mail-Login um – core-konform, updatesicher und ohne eine einzige Erweiterung.
Der eigentliche Qualitätsunterschied liegt allerdings nicht im Umschalten, sondern in der Härtung: save_callbacks statt bloßem readonly, konsequente Normalisierung, ein UNIQUE-Index in der Datenbank und der Kollisions-Check im Altbestand. Wer diese vier Punkte abhakt, hat nicht nur einen bequemeren Login – sondern einen sichereren.