Website-Relaunch ohne Ranking-Verlust: die Checkliste

Ein Relaunch ist ein Umzug: Wer Adressen ändert, ohne Nachsendeauftrag zu stellen, verliert Besucher – und Google findet die alten Seiten nicht mehr.

Die neue Website ist seit drei Wochen online. Sie sieht besser aus, lädt schneller, das Team ist stolz. Dann der Blick in die Zahlen: minus 62 Prozent organische Zugriffe. Die Search Console meldet 1.400 Seiten mit Fehler 404. Was war passiert? Die alten Adressen endeten auf /leistungen/webdesign.html, die neuen auf /leistungen/webdesign. Ein Punkt, vier Buchstaben – und die halbe Sichtbarkeit weg.

Kurz gesagt: Ein Relaunch ist ein Umzug. Wer die Adressen ändert, ohne Nachsendeauftrag zu stellen, verliert Besucher und Rankings gleichzeitig. Vermeidbar ist das mit einer Bestandsaufnahme vor dem Umbau, einer vollständigen 301-Liste, einer disziplinierten Reihenfolge am Livegang und vier Wochen Nachkontrolle. Dieser Beitrag liefert die Checkliste – samt Konfiguration für die Weiterleitungen.

Warum die Zahlen einbrechen (und es kein Zufall ist)

Suchmaschinen haben ein Bild der alten Website: welche Adressen es gibt, welche Inhalte dahinterstehen, wie stark sie verlinkt sind. Ein Relaunch verändert dieses Bild oft radikal. Typische Auslöser für Verluste:

  • Geänderte URLs ohne Weiterleitung – der Klassiker; alte Adressen liefern einen Fehler 404, die aufgebaute Autorität verpufft.
  • Verlorene Inhalte: Seiten, die niemand vermisst hat, aber gut rankten und Zugriffe brachten.
  • Fehlende oder generische Metadaten nach dem Umzug ins neue System.
  • Blockierte Indexierung: die Entwicklungsumgebung war per robots.txt oder noindex gesperrt – und diese Sperre geht versehentlich mit live.
  • Langsamere Ladezeiten durch neue Skripte, größere Bilder oder ein überladenes Theme.

Fast alle diese Punkte sind vermeidbar. Ursache ist selten technische Unmöglichkeit, sondern fehlende Planung.

Ein halber Tag Bestandsaufnahme spart Wochen Ursachensuche

Vor der ersten Zeile Code steht eine Bestandsaufnahme. Diese Bestandsaufnahme ist die Grundlage für alles Weitere:

  • Vollständige URL-Liste der alten Website – per Crawler erhoben, nicht aus dem Gedächtnis.
  • Zugriffszahlen je Seite aus der Webanalyse und der Search Console: Welche Seiten bringen tatsächlich Besucher?
  • Rankings für die wichtigsten Suchbegriffe als Ausgangswert, um später vergleichen zu können.
  • Externe Verlinkungen: Welche fremden Seiten verweisen auf welche Unterseiten? Genau diese Adressen dürfen nicht sterben.
  • Metadaten (Titel, Beschreibungen) als Sicherung, um sie zu übernehmen statt neu zu erfinden.

Diese Daten kosten einen halben Tag Arbeit und ersparen später Wochen der Ursachensuche.

301, eins zu eins, ohne Ketten

Jede alte URL braucht ein Ziel. Die Regeln sind einfach, aber strikt:

  • 301 statt 302: Eine dauerhafte Weiterleitung signalisiert den endgültigen Umzug und überträgt die Signale der alten Adresse.
  • Eins zu eins, wo immer möglich: Die alte Seite zeigt auf die inhaltlich passende neue Seite – nicht pauschal auf die Startseite. Sammelweiterleitungen auf die Startseite werten Suchmaschinen wie einen Fehler.
  • Keine Ketten: Weiterleitung auf Weiterleitung kostet Zeit und Signalstärke. Immer direkt zum Endziel.
  • Entfallene Inhalte auf das thematisch nächstliegende Angebot leiten; nur wenn es wirklich keinen Ersatz gibt, ist ein sauberer 410 die ehrliche Antwort.
  • Auch Bilder und PDFs berücksichtigen – sie erzeugen ebenfalls Zugriffe und Verlinkungen.

In Contao lassen sich Weiterleitungen komfortabel pflegen; entscheidend ist, dass die Liste vollständig ist und vor dem Livegang getestet wurde.

Technisch lassen sich Weiterleitungen in Contao über das Backend pflegen – bei größeren Mengen ist der Weg über die Server-Konfiguration schneller und robuster:

# Apache: .htaccess – Einzelregeln und Muster
RewriteEngine On

# 1:1-Umzug einzelner Seiten
Redirect 301 /leistungen/webdesign.html /leistungen/webdesign

# Ganze Verzeichnisse mit gleicher Struktur
RewriteRule ^produkte/(.*)\.html$ /produkte/$1 [R=301,L]

# Alte Dateiendung generell entfernen
RewriteCond %{REQUEST_URI} \.html$
RewriteRule ^(.*)\.html$ /$1 [R=301,L]
# nginx: gleiche Logik
location ~ ^/produkte/(.*)\.html$ {
    return 301 /produkte/$1;
}

# Einzelne Umzüge sauber als Map pflegen
map $request_uri $redirect_ziel {
    /leistungen/webdesign.html   /leistungen/webdesign;
    /ueber-uns/team.html         /agentur/team;
}

Zwei Regeln aus der Praxis: Erstens die Liste vor dem Livegang testen – ein einfaches Skript, das alle alten URLs abruft und den Statuscode protokolliert, findet Lücken in Minuten:

# Alle alten URLs prüfen: erwartet wird 301, nicht 404
while read url; do
  code=$(curl -o /dev/null -s -w "%{http_code}" -I "$url")
  echo "$code  $url"
done < alte-urls.txt | grep -v "^301"

Zweitens: keine Weiterleitungsketten. Wenn A auf B zeigt und B auf C, gehört A direkt auf C – jede Zwischenstation kostet Ladezeit und einen Teil der übertragenen Signale.

Der Tag des Livegangs: Reihenfolge schlägt Hektik

Vier-Phasen-Schaubild zum Relaunch: Bestandsaufnahme, Weiterleitungen, Livegang und Nachkontrolle mit den jeweiligen Aufgaben.
Der Ablauf in vier Phasen – der teuerste Fehler steckt im Livegang: ein vergessenes noindex.

Der Umschaltmoment entscheidet. Bewährt hat sich eine kurze, feste Reihenfolge: zuerst die neue Website live nehmen und sofort prüfen, ob die Sperre für Suchmaschinen entfernt ist – ein vergessenes noindex aus der Testphase ist der teuerste Fehler überhaupt. Danach die Weiterleitungen aktivieren und stichprobenartig mit den wichtigsten alten Adressen testen.

Anschließend die neue Sitemap erzeugen und in der Search Console einreichen, die robots.txt kontrollieren, das Analysewerkzeug prüfen (misst es überhaupt noch?) und die zentralen Funktionen der Website durchklicken: Formulare, Suche, Kontaktdaten. Ein kurzer Testlauf der Ladezeit rundet den Tag ab. Wer das strukturiert abarbeitet, geht ruhiger ins Wochenende.

Aus der Praxis: 1.200 verlorene Seiten – und was sie wert waren

Typisches Szenario – so verläuft ein solcher Fall in der Praxis; die Zahlen sind beispielhaft.

Ein Maschinenbauer geht mit einer neuen Website live. Zwei Wochen später steht der Vertrieb im Büro: keine Anfragen mehr über die Website. Der Blick in die Search Console zeigt 1.200 Seiten mit Fehler 404 – und die alte Produktdokumentation, über Jahre von Fachforen verlinkt, ist komplett verschwunden.

Die Diagnose dauert eine Stunde. Der Dienstleister hatte die Struktur „aufgeräumt": Aus /produkte/typ-4711.html wurde /loesungen/maschinen/typ-4711. Weiterleitungen gab es – aber nur für die 20 wichtigsten Seiten. Die restlichen 1.180 liefen ins Leere, darunter sämtliche PDF-Datenblätter.

Die Rettung folgt dem Muster aus diesem Beitrag: alte URL-Liste aus einem Crawl des Archivs rekonstruieren, per Mapping-Tabelle auf die neuen Ziele legen, 301 einrichten, testen, Sitemap neu einreichen. Nach etwa vier Wochen liegen die Zugriffe wieder auf dem Niveau von vorher, nach acht Wochen darüber – weil die neue Seite tatsächlich schneller ist.

Die eigentliche Lehre: Der Aufwand für vollständige Weiterleitungen ist immer kleiner als der Aufwand, verlorene Sichtbarkeit zurückzuholen. Und die Datenblätter, die niemand auf der Liste hatte, waren am Ende die wertvollsten Seiten der ganzen Website.

Vier Wochen Nachkontrolle

Die ersten vier Wochen sind entscheidend. In der Google Search Console lohnt der tägliche Blick auf die Abdeckung: Tauchen plötzlich viele Fehler 404 auf, fehlt eine Weiterleitung. Die Zugriffszahlen zeigen, ob der Einbruch im normalen Rahmen bleibt – ein leichter Rückgang in den ersten zwei bis drei Wochen ist üblich, weil Suchmaschinen die neue Struktur erst verarbeiten müssen.

Bleibt der Rückgang bestehen oder verschärft er sich, hilft die systematische Prüfung: Sind alle alten URLs weitergeleitet? Wurden Inhalte gekürzt, die vorher rankten? Ist die Ladezeit schlechter geworden? Erfahrungsgemäß erklärt eine dieser drei Fragen die meisten Fälle. Wichtig ist, nicht in Aktionismus zu verfallen: Rankings brauchen einige Wochen, bis sie sich neu einpendeln.

Die Chance, die im Umbau steckt

Ein Relaunch ist mehr als Schadensbegrenzung. Er ist die beste Gelegenheit, strukturelle Altlasten loszuwerden: eine klarere Seitenstruktur mit sinnvollen Kategorien, sprechende URLs, konsequente interne Verlinkung, aufgeräumte Inhalte statt Dutzender kaum besuchter Unterseiten.

Dazu kommen technische Verbesserungen, die sich unmittelbar auszahlen: moderne Bildformate, saubere Ladezeiten, strukturierte Daten, Barrierefreiheit, ein wartbares CMS. Wer diese Punkte im Zuge des Umbaus mitnimmt, steht nach einigen Wochen nicht nur wieder auf dem alten Niveau, sondern messbar besser da als vorher.

Fazit: Der Nachsendeauftrag ist die halbe Miete

Ein Relaunch ohne Sichtbarkeitsverlust ist kein Glücksfall, sondern das Ergebnis von Vorbereitung: alte URLs vollständig erfassen, jede Adresse dauerhaft und zielgenau weiterleiten, die Indexierung freigeben, Metadaten übernehmen, Ladezeit im Blick behalten und die ersten Wochen konsequent überwachen. Wer diese Punkte abarbeitet, tauscht das Risiko gegen einen Zugewinn – eine Website, die schneller, klarer und besser auffindbar ist als ihre Vorgängerin.

Häufige Fragen

Die häufigsten Fragen zum Relaunch, zu Weiterleitungen und zur Sichtbarkeit danach – kurz beantwortet.

Meist wegen fehlender oder falscher Weiterleitungen: Alte Adressen laufen ins Leere, die aufgebaute Autorität geht verloren. Weitere Ursachen sind entfallene Inhalte, fehlende Metadaten und eine versehentlich aktive Indexierungssperre.

Die dauerhafte Weiterleitung (301) von jeder alten auf die inhaltlich passende neue Adresse – ohne Ketten und ohne Sammelweiterleitung auf die Startseite.

Ein leichter Rückgang in den ersten zwei bis drei Wochen ist normal. Bleibt er länger bestehen, liegt in der Regel ein konkreter Fehler vor – meist bei den Weiterleitungen oder der Indexierung.

Eine aus der Testphase übernommene Sperre für Suchmaschinen (noindex oder robots.txt). Sie nimmt die Website komplett aus dem Index – und fällt oft erst nach Wochen auf.

Die vollständige URL-Liste, Zugriffszahlen je Seite, Rankings der wichtigsten Suchbegriffe, externe Verlinkungen und die bestehenden Metadaten.

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